Die Frustfalle
Kennst du dieses ungute Gefühl, wenn du wieder mal enttäuscht bist? Jemand hat nicht so reagiert, wie du es dir erhofft hast. Vielleicht war es nur ein kleiner Moment – und trotzdem trifft es dich. Und plötzlich bist du mittendrin im Frust. Es geht gar nicht darum, dass der andere „so schlimm“ war. Es geht darum, was es in dir auslöst. Und das ist oft viel mehr, als wir auf den ersten Blick verstehen.
Der Tropfen, der das Fass zum Überlaufen bringt
Und da ist er wieder – dieser kleine Funke, der dich zum Platzen bringt. Vielleicht war’s die Kellnerin, die zu lange braucht. Die Tochter, die nicht „dankbar genug“ scheint. Oder dein Partner, der wieder nicht so reagiert, wie du’s dir gewünscht hast.
Du spürst den Druck im Bauch, plötzlich schießen Gedanken hoch. Wut. Frustration. Enttäuschung. Vielleicht sogar die Angst, nicht wichtig genug zu sein.
Und dann?
Du fängst an zu jammern.
Laut oder leise.
Vor dem anderen oder nur in deinem Kopf.
Erwartungen sind wie unsichtbare Verträge
Wir alle haben sie – unsere stillen Erwartungen. Und oft wissen die anderen gar nichts davon. Wir wünschen uns, dass Menschen so handeln, wie wir es für richtig halten. Weil es „sich gehört“, weil wir es so gelernt haben oder weil wir es für selbstverständlich halten.
Aber was, wenn der andere anders denkt?
Wenn er oder sie andere Werte hat, andere Bedürfnisse?
Dann kollidiert unser Wunsch mit der Realität – und das tut weh.
Alte Muster klopfen an
Oft ist das, was uns heute aufregt, gar nicht neu. Es ist alt. Vielleicht kommt der Ärger aus früheren Erfahrungen. Vielleicht wurdest du als Kind oft kritisiert. Musstest dich anpassen. Konntest es nie „ganz richtig“ machen. Und heute – heute reißt ein kleiner Moment diese alten Wunden wieder auf. Alte Glaubenssätze komm hoch, wie: „Ich bin nicht gut genug“, „Ich werde nicht gesehen!“ Alles über das wir uns im außen aufregen, hat etwas mit uns zu tun.
Und plötzlich jammern wir – ohne es zu merken
Wir denken: „Warum tut er/sie das nicht?“
„Immer bin ich diejenige, die…“
Was wir nicht merken: Wir sind mittendrin im Jammern. Und das, was wir da denken und sagen, hat nichts mit dem Moment zu tun – sondern mit alten Geschichten, die wir mit uns herumtragen. Wir haben das Gefühl, keiner versteht uns. Unsere Wünsche werden nicht gehört. Vielleicht hörst du in deinem Kopf Sätze wie: „Ich bin nicht wichtig!“, „Ich bin nicht liebenswert!“. Meine Patientin Sabine Müller (den Namen habe ich geändert) sagte mal: “ Ich hasse dich, Sabine“ und damit meinte sie sich selbst. Solche Gedanken machen es uns schwer unser Leben zu genießen.
Was wir erkennen müssen ist: „Die andere Person ist nur ein Spiegel unserer selbst.“ Das ist manchmal gar nicht leicht anzunehmen! Weil wir uns oft von den Menschen die wir am meisten Lieben, stark angegriffen fühlen. Robert Betz – ein deutscher Psychologe und Autor – nennt diese Personen, die uns so aufregen, in seinen Büchern wenig freundlich „ArschEngel“, andere sagen „Therapiegeschenk“ zu ihnen. Damit ist gemeint, diese Menschen drücken auf die wunden Punkte und alten Verletzung auf unserer Seele.
Durch ihr Verhalten bringen sie uns dazu, unsere tief versteckten Traumata wahr zu nehmen. Wenn wir lernen können, diese Menschen als Geschenk ansehen, können wir besser damit umgehen, dass sie uns zur Weißglut bringen. Wir können mehr Verständnis für sie bekommen und langmütiger mit ihm umgehen. Das Beste daran ist sogar, wir lernen noch etwas über unsere verborgenen Schwachstellen. Wenn du anfängst diese alten Muster zu bearbeiten und die alten Glaubenssätze aufzulösen, kannst du wahre Heilung erfahren!
Zwei Impulse, um aus dem Ärger auszusteigen
Tipp 1 – Der innere Check: Welche Erwartung wurde verletzt?
Wenn du merkst, dass du dich über jemanden ärgerst, nimm dir einen kurzen Moment und frag dich: „Was genau habe ich gerade erwartet?“„Hat die andere Person überhaupt gewusst, was ich mir wünsche?“
Diese einfache Frage bringt dich raus aus der Opferrolle und rein in die Selbstverantwortung. Denn ganz oft sind unsere Erwartungen still und unausgesprochen. Wenn du sie klar erkennst, kannst du entscheiden: Will ich diese Erwartung wirklich beibehalten? Oder darf sie sich verändern?
Tipp 2 – Soforthilfe durch Atemfokus
Wenn der Ärger hochkommt, nimm dir 60 Sekunden und konzentriere dich nur auf deinen Atem. Atme tief durch die Nase ein, halte kurz inne, und atme langsam durch den Mund aus.
Mach das 5–6 Atemzüge lang. Sag dir dabei innerlich: „Ich komme zurück zu mir.“ oder „Ich bin der Schöpfer meines Lebens!“
Diese kleine Übung bringt dein Nervensystem raus aus dem Stressmodus und hilft dir, wieder klarer zu denken und kommst raus aus der Opferrolle. Du reagierst nicht impulsiv, sondern bewusst.
Zeit, die Perspektive zu wechseln
Wie wäre es, wenn du kurz innehältst, bevor du dich aufregst? Wenn du dich fragst:
„Was hat das jetzt gerade mit mir zu tun?“
„Welche meiner Erwartung wurde verletzt – und warum?“
Nicht um dir die Schuld zu geben. Sondern um Verantwortung zu übernehmen. Für deine Reaktionen. Für deine Gefühle. Und vor allem: für dein inneres Wohlbefinden. Dadurch wirst du wieder – Herr deiner selbst! Du entspannst Dich und erkennst was deine Gefühle dir sagen wollen. So wandelst du deinen Frust um. Dadurch kannst du wieder klar denken. So hast du die Chance, nicht impulsiv zu handeln, sondern ruhig und bedacht.
Frag dich gerne auch einmal: Wo spüre ich Körperreaktionen wie Schmerzen im Rücken, Kloß im Hals oder einen Druck im Bauch.“ Dann gilt es für dich, in diese Körperteile hinein zu spüren und hinein zu atmen. Genau da wo du Schmerzen oder Druck fühlst, bist du genau richtig. Das machst du so lange, bis die Schmerzen weniger werden. Denkst du vielleicht, wie soll das gehen? Dann melde dich gerne bei mir. Ich unterstütze dich dabei oder du probierst es einfach einmal aus. Es hilft wirklich!
Das Beste kommt am Schluss
Vielleicht ist genau jetzt der Moment, um ehrlich hinzuschauen: Wo sind deine Erwartungen zu starr oder unbewusst? Wenn du beginnst, das zu erkennen, kannst du raus aus der Endlosschleife von Ärger und Enttäuschung. Du wirst freier, leichter – und kannst anderen so begegnen, wie sie sind. Nicht perfekt. Aber ehrlich.
Und das ist oft viel schöner, als wenn alles „nach Plan“ läuft.
Ich hoffe, mein Beitrag konnte dir ein bisschen helfen, einen neuen Fokus auf dein Leben zu werfen. Wenn du dich angesprochen fühlst, von meinen Ideen, würde ich mich sehr freuen, wenn du ein kostenloses Erstgespräch bei mir buchst und wir uns persönlich unterhalten können.
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